Wie du vor dem Kaufen selbst prüfst, ob ein Präparat überhaupt zu dir passt
Du hast drei Optionen offen. Auf allen dreien steht Magnesium.
Das aus dem Insta-Beitrag, mit Rabattcode, für 39 Euro.
Das aus der Apotheke, 12 Euro, sieht nach Krankenkasse aus.
Und das dritte, das jemand in den Kommentaren verlinkt hat, 58 Euro, Glasflasche, sehr viel Weißraum auf dem Etikett, sieht hochwertig aus.
Und dann ist da natürlich wieder diese eine Frau auf dem Bildschirm. Die, der du seit einer Woche folgst. Eine, die aussieht, wie du. Nur eben in gut ausgeleuchtet.
Sie erzählt, dass sie jahrelang genau da war, wo du gerade bist. Dann hat sie dieses eine Protokoll gemacht. Und nach fünf Wochen, sagt sie, war alles anders. Schlaf. Haut. Energie. Sie hält die Dose hoch, lacht, und du glaubst ihr sofort.
Und innerlich machst du check, check, check und drückst auf „mit Paypal zahlen“.
Und jetzt?
Du bist ja nicht blöd. Du hast längst gelernt, dass es Unterschiede gibt. Du weißt nur nicht, woran du sie festmachen sollst. Also entscheidest du am Ende nach Preis, Bauchgefühl oder danach, wer netter geguckt hat.
Also machen wir dann jetzt, wenn´s dann da ist? Oder lieber, bevor das Geld weg ist.
Dreh die Dose mal um
Vorne steht, was verkauft. Hinten steht, was tatsächlich drin ist.
Das Erste, was du lesen wirst, ist eine Prozentzahl. Die sagt dir am wenigsten. Nahrungsergänzungsmittel sind rechtlich Lebensmittel. Kein Arzneimittel. Klingt nach Formalie, erklärt aber fast alles. Die Tagesmenge legt nämlich der Hersteller selbst fest. Verbindliche Höchstmengen gibt es bis heute keine. Deshalb kannst du drei Magnesiumprodukte nebeneinanderlegen und hast Faktor zehn dazwischen. Alle drei völlig legal.
Die Prozentzahl daneben heißt NRV, Nährstoffbezugswert. Sie sagt dir, wie viel Prozent einer EU-Orientierungsmenge in einer Portion steckt. Gemacht ist die für alle Erwachsenen, damit Etiketten vergleichbar sind.
Das bist nicht du an einem Dienstag, mit einem Überstundenkonto, von dem du seit Monaten nicht runterkommst.
Oder nimm Vitamin D: Zwei Fläschchen, beide sagen „ein Tropfen täglich“. Im einen sind 1.000 IE, im anderen 10.000.
Die Zahl auf der Packung beantwortet die Frage: Was kann man bedenkenlos an alle verkaufen. Nicht: Was braucht dein Körper heute.
Und deshalb passiert, was ich so oft höre. „Ich hab’s genommen, hat nichts gebracht.“
Manchmal war es das falsche Mittel. Und manchmal war es einfach zu wenig von etwas eigentlich Richtigem.
Ein Tropfen ist keine verlässliche Maßeinheit.
Aber zurück zum Magnesium. Jetzt kommt die eine Sache, die dich sofort schlauer macht als die halbe Kommentarspalte unter dem nächsten Reel.
Auf der Packung steht zum Beispiel 500 Milligramm Magnesiumcitrat. Klingt nach ordentlich was.
Magnesiumcitrat besteht aber nur zu einem kleinen Teil aus Magnesium. Der Rest ist Citrat, also der Transportpartner. Von 500 Milligramm Verbindung bleiben rund 80 Milligramm Magnesium übrig.
Dasselbe Spiel bei Zink, Eisen, Kalzium. Immer.
Deshalb gilt: Such auf der Rückseite die Zeile, wo das Element allein steht. Oft in Klammern, oft kleiner gedruckt, manchmal gar nicht. Und wenn es gar nicht dasteht, weißt du auch schon was.
Ein gutes Präparat versteckt diese Zahl nicht. Es hat sie ja.
Komplexmittel – Die „Fast Lane“?
Komplexmittel sind verführerisch. Eine Kapsel, dreiundzwanzig Nährstoffe drin, 1x pro Tag. Fertig.
Was reinpasst, passt rein. Je mehr Posten auf der Liste stehen, desto weniger ist logischerweise von jedem einzelnen drin.
Zweiter Fakt: Nicht alle Nährstoffe sind gute Mitbewohner. Zink, Eisen und Kalzium rangeln teilweise um dieselben Transportwege in der Darmwand. Wenn sie gleichzeitig ankommen, blockieren sie sich eventuell ein Stück weit gegenseitig.
Und der Zeitpunkt ist für jeden ein anderer. Manches braucht Fett im Magen. Manches passt eher abends, manches überhaupt nicht abends. Ein Komplexmittel zwingt alles in denselben Moment.
Der für mich wichtigste Punkt ist aber ein anderer.
Wenn’s dir nach acht Wochen besser geht: wovon? Und wenn nicht: was lässt du weg?
Mit einem Komplexmittel kannst du nichts steuern und nichts beurteilen. Du kannst nur weitermachen oder aufhören.
Und nein, ich halte sie nicht für Teufelszeug. Ich hab selbst eins im Kühlschrank. Nur eben als Basis. Das ist etwas anderes als ein Therapieplan. Das eine hält den Grundpegel aufgrund von einem hohen Grundverbrauch. Das andere beantwortet deine Fragen. Wer das durcheinanderbringt, wartet ewig auf eine Antwort, die da gar nicht drin ist.
Deswegen arbeite ich in der Praxis fast immer mit gezielten Einzelpräparaten. Weil ich dann drehen kann. Hoch, runter, weg, dazu. Und weil du nach acht Wochen tatsächlich sagen kannst, was passiert ist.
Woran ich eine Firma festmache. Und woran nicht
Was mir egal ist: Rabattcode. Wie oft ich das in einer Woche gesehen habe. Ob eine bekannte Person draufsteht.
Worauf ich schaue:
- Die Form. Magnesiumoxid und Magnesiumglycinat sind beide Magnesium und verhalten sich im Körper völlig unterschiedlich. Bei Folsäure, bei B12, bei Eisen ist es genauso. Die Form steht auf jeder guten Packung. Steht sie nicht da, hat das meistens einen Grund.
- Die ehrliche Deklaration. Element in Klammern, Menge pro Kapsel statt pro Tagesportion von vier Stück, keine Kunstbegriffe, hinter denen man nichts nachrechnen kann.
- Die Analyse. Seriöse Hersteller lassen chargenweise prüfen und rücken das auf Nachfrage raus. Frag einfach mal. Die Antwort sagt dir mehr als die ganze Website.
- Und was nicht draufsteht. Ein Präparat darf sagen, woran ein Nährstoff im Körper mitwirkt. Es darf nicht sagen, gegen welche Krankheit es hilft. Wer diese Grenze auf der Packung reißt, wie genau hält der es dann mit dem Inhalt?
Deine Prüfung, bevor du bestellst
Dauert zwei Minuten. Spart dir vielleicht zwei Jahre.
1️⃣ Was ist elementar drin? Such die Zahl in Klammern. Findest du sie nicht, Tab zu.
2️⃣ Welche Form? Steht sie da? Gut. Steht sie nicht da, Tab zu.
3️⃣ Einzeln oder alles zusammen? Und wenn alles zusammen: Könntest du in acht Wochen sagen, was gewirkt hat?
4️⃣ Nehme ich das schon woanders mit? Komplexmittel plus Einzelpräparat ist der häufigste Weg, ungewollt doppelt zu dosieren.
5️⃣ Wofür genau nehme ich das, und woran würde ich merken, dass es wirkt? Wenn dir darauf nichts einfällt, ist es nicht das Präparat, das fehlt.
6️⃣ Wie lange, und wann schaue ich nochmal hin? Setz dir die Erinnerung gleich. Sonst steht die Dose in zwei Jahren noch da.
Es bleibt ein Verstärker, kein Fundament
Stell dir eine Band vor. Das Fundament ist, dass die Leute ihre Instrumente gestimmt haben und wissen, welches Stück läuft. Der Verstärker macht das Ganze größer.
Dreh den Verstärker auf, wenn die Gitarre verstimmt ist. Dann hast du einfach lauter verstimmt.
Was wäre dein Fundament? Schlaf. Essen, das du verdauen kannst. Pausen. Ein Nervensystem, das wenigstens zwischendurch mal runterfährt.
Und wenn das steht, dann kann ein Mikronährstoff richtig was bewegen.
Ich will dir ja nichts ausreden
Ich will aber, dass du beim nächsten Mal nicht mehr nur nach Preis entscheidest.
Dass du die Rückseite liest und weißt, was du da siehst. Dass du merkst, wann eine Zahl nach viel aussieht und wenig ist. Und dass du eine Dose auch mal wieder hinstellen kannst, ohne dich schlecht zu fühlen.
Und wenn du nach all dem immer noch nicht weißt, was dein Körper eigentlich gerade braucht, dann ist das völlig in Ordnung. Das ist nämlich genau die Frage, für die man jemanden braucht, der die ganze Geschichte anschaut.
Genau damit arbeite ich in meiner Heilpraktikerpraxis für Frauengesundheit in Kulmbach.
Suchen, Zusammenhänge aufdecken, individuelle Lösungen erstellen, die machbar sind für dich und deinen Alltag.
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